Dschungel Part 1

Sonntag, September 26, 2010 by Janna

Die nächtliche Rückfahrt von Loja nach Quito war schlichtweg grauenhaft. Im Sitzen und bei dem Geschaukel durch die Anden konnte ich kein Auge zutun und ich fühlte mich wie gerädert als wir morgens um 6 Uhr in Quito ankamen. Ich war froh, als ich mich bei unserer Gastfamilie endlich ins Bett werfen konnte…

Am nächsten Tag fuhren wir zum Flughafen. Wir hatten keine Lust schon wieder 10 Stunden im Bus zu verbringen und entschieden uns deshalb für einen Flug nach Coca.  Wir hatten uns einiger warmer Anziehsachen entledigt und deponierten sie bei unserer Gastfamilie. Dadurch wurden die Taschen neu gepackt und dabei ist leider mein kleines schweizer Taschenmesser ins Handgepäck gerutscht. Dieses ist nun nicht mehr in meinem Besitz, denn auch bei Inlandflügen sind sie sehr genau…

Nach einer halben Stunde Flugzeit kommen wir in Coca an und sind ersteinmal erschrocken über diese hässliche, stinkige und laute Stadt. Coca wurde in den 60er Jahren von Kapuzinermönchen gegründet. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt die rebellischen und kriegerischen Huaorani-Indianer zu “zähmen”. Mittlerweile ist das Städtchen durch den Ölboom auf ca. 60.000 Einwohner angewachsen. Der Verkehr ist hier genau der Gleiche wie in anderen ecuadorianischen Städten, hinzu kommen die Hubschrauber, die die Boomtown überfliegen und die knatternden Boote auf dem Rio Napo…

Viele Touristen sieht man hier nicht, da die meisten gleich aufs Boot umsteigen, um ihre gebuchten Lodges im Urwald zu erreichen. Auch wir begeben uns einen Tag später an den Hafen um zur Yasuni-Lodge zu gelangen. Wir treffen dort auch unsere Spanischlehrerin sowie zwei Engländer, die das gleiche Wochenprogramm gebucht haben: Spanischlektionen und Urwaldexkursionen.  Wir fahren mit einem schmalen Motorboot den Rio Napo runter. Er ist recht breit und man sieht nicht viel vom Ufer. Immer wieder muss man Sandbänken, Untiefen und Treibholz ausweichen. Plötzlich an einer Stelle schwenkt der Bootslenker Richtung Ufer und tatsächlich, da ist der Eingang zu einem kleinen Nebenflüsschen. Wir fahren noch ca. 1 km weiter und erreichen unsere Lodge.

Herrlich wie ruhig es hier ist, kein Motorenlärm, keine Alarmanlagen, keine Fernseher. Natürlich ist es nicht vollkommen still im Urwald, ganz im Gegenteil hört man unzählige Vögel in ganz unterschiedlicher Weise zwitschern und schreien, die Grillen zirpen laut und unermüdlich und die beiden kleinen Hauspapageien flattern umher und brabbeln vor sich hin. Die Lodge hat eine grosse Hochterrasse von wo aus man einen wunderschönen Ausblick auf das kleine Flüsschen und den umliegenden Wald hat. Da im Lodgegarten Bananen und andere Früchte wachsen kommen auch immer mal ein paar Agutis oder Totenkopfäffchen vorbei um sich daran zu laben. Ausserdem wimmelt es von vielen bunten Schmetterlingen… Grossartig :-) Unsere Cabaña aus Bambus ist sehr gemütlich mit einer Hängematte auf der Veranda. Die Betten haben ein Moskitonetz und im Baño privado gibt es sogar heisses Wasser. Abends von 6 bis um 10 Uhr wird der Generator angeworfen, so dass wir am abend Licht haben und das Essen ist ebenfalls hervorragend. Kurz gesagt: Es ist für alles gesorgt was ein Touriherz höher schlagen lässt. Abenteuer mögen auf Einbäumen den Rio Tiputini tagelang entlangpaddeln – wir haben die Luxusvariante gewählt, was aber keinesfalls mit Einbussen im Erleben der faszinierenden Welt des Dschungels einhergehen muss.

Jeden Tag laufen wir mit einem Guia nativo (Quichua) durch den Dschungel oder paddeln lautlos mit dem Kanu durch die kleinen Flüsschen zu entlegenen Lagunen . Überall hört und sieht man bunte Vögel, Schmetterlinge flattern vor uns her und viele Libellen und andere Insekten begleiten unseren Weg. Alles um uns herum ist grün und die Geräuschkulisse ist phänomenal, besonders angetan hat es mir ein gelb schwarzer Vogel, dessen Laute teilweise klingen als würde ein Tropfen Wasser in einen Brunnen fallen, sehr eigenartig aber toll. Sie bauen grosse Hängenester an hohen Bäumen und lassen sich gut von unserer Lodge aus beobachten. Jaime, unser Quichua Guide weiss sehr viel über die Flora und Fauna des Dschungels. Er zeigt uns viele verschiedene Pflanzen und erklärt uns deren medizinischen oder auch praktischen Nutzen, er ahmt Vogellaute nach um sie anzulocken und er kann sämtliche Vogelgeräusche den jeweiligen Vogelarten zuordnen. Immer trägt er ein Buch mit sich in dem er uns die vielen verschiedenen “pajaros” und ihre Namen zeigt, die wir soeben gehört oder gesehen haben. Auch zeigt er uns immer wieder interessante Insekten oder kleine Frösche, an denen wir achtlos vorbeigehen würden, da sie perfekt getarnt sind und uns gar nicht auffallen würden. Es ist auch beeindruckend, wie sicher sich Jaime durch den Dschungel bewegt. Wir würden dort sicher verlorengehen… So stapfen wir also munter mit unseren Gummistiefeln unserem Guide hinterher, teilweise ist es eine ganz schön schlammige Angelegenheit und wir schwitzen und schwitzen…

An unserer hauseigenen Lagune können wir von den Stegen aus neben den vielen bunten Vögeln, Schildkröten und Totenkopfäffchen bewundern, auch Tukane und Kolibris lassen sich dann und wann blicken. Einmal fahren wir des Nachts mit dem Kanu zu einer Lagune um Kaimane aufzuspüren und wir haben Glück: Schon von fern sieht man die roten Augen über dem Wasser leuchten. Als wir uns nähern springt er mit einem Satz davon und taucht ab… Aber allein die nächtlichen Geräusche im Dschungel, die vielen Glühwürmchen und das sanfte geräuschlose Dahingleiten des Kanus sind solch eine “viaje nocturno” allemal wert.

Neben unseren Dschungelexkursionen lernen wir zudem jeden Tag fleissig 5 Stunden Spanisch mit unserer neuen Lehrerin Janeth. Sie feilt an unserer noch nicht ganz so tollen Grammatik herum, während der kleine Papagei auf Michaels Schulter sitzt und ihm das Ohrläppchen anknabbert, falls er sich nicht gerade unsere Bleistifte vorgeknöpft hat…

Mittlerweile sitzen wir wieder in Coca. Unsere Zeit in der wunderschönen Yarinalodge ist vorbei. Da uns der Dschungel jedoch sehr gut gefällt, bleiben wir noch eine Woche länger im Oriente. Übermorgen geht es in das Cuyabenoreservat und wohnen werden wir in der Cuyabeno River Lodge. Ich hoffe dann von den rosaroten Flussdelfinen berichten zu können…


View Larger Map

6 Responses to “Dschungel Part 1”

  1. Mama Käthe sagt:

    Wunderbar und faszinierend ist diese fremdartige Flora und Fauna.
    Und wie schön für Euch, dass Ihr so einen guten Guide gefunden habt.

    Liebe Grüße
    Mama

  2. Martina sagt:

    Hey Michi und Janna
    ich weiss nicht wie oft Ihr FB anschaut, aber ich habe Euch einige wichtige Dinge zu Eurem Besuch über FB Message geschickt. Bitte schaut doch schnell nach wenn ihr dies hier liest!
    Danke und bis baaaaaaaaaaaald!
    Martina

  3. Martina sagt:

    PS: Sorry, fast vergessen: Der Bericht tönt wunderschön!!!!

  4. Oliver sagt:

    Haltet euch mal schon von dem Auftstand in Ecuador fern.
    Bleibt lieber im Dschungel…

    OLLI

  5. Birgit Koster Schöb sagt:

    Salü Janna

    Mein eigene Reiselust wird enorm angeregt durch Eure Interessanten, informativen aber auch sehr unterhaltsamen Reiseberichte! Wir können so einwenig mitreisen und Neues mitentdecken. Vielen Dank, dass wir Chorgspännli daran teilnehmen dürfen! Übrigens Du fehlst uns also wirklich bei den Chorproben – sie haben nun wieder etwas intensiver gestartet; Auswendiglernen usw. und wir haben leider einpaar weitere Austritte (Karin, Judith, Monika) zu beklagen.
    Na, ja ich hoffe Du trainierst Deine Stimme bei einem Urwaldjuchzer und grüsse Euch herzlich

    Birgit

  6. Gabi sagt:

    Liebe beide
    Super, diese Bilder. Ihr habt echt ein Auge fürs Detail, aber auch für wunderbare Gesamtkompositionen. Kompliment. Und dann der Bericht, den mich in den geliebten Urwald eintauchen lässt. Sagenhaft.
    Liebe Grüsse, Gabi