Fundacìon: Alltag
Sonntag, Oktober 17, 2010 by admin
Nach unserer grossen Reise durch Ecuador haben wir die letzten Tage in Quito verbracht. Das gab uns die Gelegenheit, nochmals bei Marco vorbei zu schauen. Wir waren ja im August da und haben beim Ferienprogram mitgeholfen, jetzt während der Schulzeit ist die Aufgabenhilfe das Hauptbetätigungsfeld der Fundacìon. In der letzten Zeit gab es einige personelle Änderungen, so wurden zwei Lehrerinnen angestellt, die die Kinder bei ihren Aufgaben unterstützen. Im Moment haben 40 Kinder die Möglichkeit, ihre Hausaufgaben jeweils am Nachmittag nach der Schule in der Fundacìon zu erledigen. Dabei schauen ihnen die Lehrerinnen über die Schulter, ermutigen sie und helfen ihnen, wenn es gar nicht mehr weiter geht. Hier können die Kinder ihre Aufgaben in einer angenehmen Atmosphäre erledigen, bei Fragen die Betreuerinnen nochmals fragen und so den Schulstoff festigen.
Eine Gruppe von etwa 10 Kindern hat jeweils an einem Tag in der Woche die Gelegenheit, zusätzlich zum Englischunterricht in der Schule noch Englisch hier in der Fundacìon zu lernen, eine wichtige Investition in die Kinder dieses Landes, in dem man als Reisender ohne Spanischkenntnisse noch ziemlich verloren ist. Dafür ist der Volontär / die Volontärin zuständig. Rafael, so heisst der aktuelle Volontär, brachte der Rasselbande gerade spielerisch 10 Englische Verben bei. Hier merkte man deutlich, wie unterschiedlich der Entwicklungsstand der Kinder ist: Die aufgeweckte Tochter der einen Lehrerin merkte sich in kürzester Zeit die zehn Wörter, andere Kinder der ärmeren Familien hatten wesentlich mehr Mühe oder waren schüchtern. Ein Junge ist uns aufgefallen, der kaum etwas sehen konnte. Wie Marco uns sagte, wird die Fundacìon ihn untersuchen lassen und dann die Kosten der wohl unvermeidlichen Operation übernehmen, die sich die Eltern nicht leisten können.
Die Fundacìon wächst nicht nur in personeller Hinsicht, auch das zweite Gebäude nimmt Formen an. Habe ich vor zwei Monaten noch geholfen, die Sockel von zwei der unzähligen Stützen zu betonieren, so sind nun einige Leute aus dem Dorf dabei, ebendiese Sockel über eine Betonsteg miteinander zu verbinden. Auf diesen Stegen liegt dann später das Gewicht der Böden und der Seitenwände. Auch der Aufbau der Öko-WCs wird nun deutlich: Am Ende sind jeweils 4 der 8 WCs geöffnet, während im Tank der anderen 4 Toiletten innerhalb eines Jahres wertvoller Humus entsteht. Dabei ist nicht der entstehende Dünger das wichtigste, sondern dass weder Wasser zum Spülen gebraucht wird noch Abwasser den Berg hinunter gelassen werden muss.
Für mich als ‘Bürogummi’ waren diese Wochen bei Alba und Marco eine sehr interessante Erfahrung. Leute und vor allem Kinder zu sehen, die so komplett anders leben und für ihr Leben auch kämpfen müssen, ist eindrücklich und gibt einem zu denken. Wir wünschen den beiden weiterhin viel Kraft und Ausdauer, die wichtige Arbeit weiterzuführen. An Ideen mangelt es den beiden jedenfalls nicht…
Auf der Website von Pro Minadores de Suenos habe ich gelesen, dass als langfristiges Ziel des Projekts angestrebt wird, dass die Menschen durch die Hilfe und Förderung so gestärkt werden sollen, dass sie nach und nach mehr Verantwortung übernehmen können und letzlich keine Hilfe mehr von außen benötigen. Das Konzept wie sie das erreichen wollen – z.B. durch die Ausbildung der Jugendlichen zu Volontären für das Projekt – hat mich sehr überzeugt. Aber ich stelle mir das auch sehr schwierig vor und denke, dass es immer wieder auch frustrierende Situationen gibt.
Liebe Grüße
Mama