Gainesville

Mittwoch, Oktober 20, 2010 by Michael

Die Idee, nach 3 Monaten Ecuador noch in die USA zu reisen, ist unter anderem auch dem Umstand entsprungen, dass Martina hier in Florida lebt. Sie wollten wir natürlich besuchen und so fanden wir uns Freitag Nachmittag bei ihr in Gainesville ein. Das Program war schon gemacht, sie steckte uns ins T-Shirts der ‘Gators’, der Uni-Football-Mannschaft, und los gings. An diesem Wochenende war gerade ‘Homecoming’, die jährliche Klassenzusammenkunft aller Universitätsklassen. Wenn man weiss, dass an der Universität Florida etwa 60’000 Studenten eingeschrieben sind und insgesamt etwa 100’000 Personen an der Uni studieren oder arbeiten und Gainesville ‘nur’ 400’000 Einwohner hat, kann man sich ausmalen, dass dabei die ganze Stadt Kopf steht. Einer der Programmpunkte war der ‘Gator Growl’: Im Footballstadium – treffend ‘the swamp’ (der Sumpf) genannt -  werden die Teammitglieder vorgestellt. Die Cheerleader und das Orchester haben ihren Auftritt, die Uni wird von den Studis aufs Korn genommen und einige Starkomiker sind auf der Bühne. Das Stadium – wohlgemerkt des Amateuruniversitätsteams – ist mit 90’000 Plätzen wirklich riesig, die Show konnte hingegen nicht ganz mithalten.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit Martina, Cam (Martinas Freund) und Daniel (ein Walliser, der auch hier studiert) zu den Juniper Springs im Ocala National Forest. Hier mieteten wir zwei Kanadier und padelten etwa 7 Meilen einen kleinen Bach hinuntern. Das war wirklich ‘awesome’, wie wir da mitten durch den Wald fuhren. Der Bach war schmal, das Grün nah und ab und zu mussten wir Hindernisse in Form von Baumstämmen überwinden. Einmal, Janna und ich waren in unserem Boot schon weiter, rief uns Martina zurück und zeigte uns einen Alligator, der sich tatsächlich 2 Meter von den Booten weg im Uferschlamm sonnte. Als er die Augen auf uns richtete, hielten wir es für besser weiterzufahren. Die vielen Schildkröten hingegen machten vor uns reiss aus. Im unteren Teil wurde der Bach etwas schneller und Janna, die kurz zuvor nach hinten ans ‘Steuer’ gewechselt hatte, hatte alle Hände voll zu tun, das Boot vom Ufergestrüpp fern zu halten. Nach einigen Stunden auf dem Wasser kamen wir müde und hungrig am Endpunkt an. Zum Ausgangspunkt zurück fuhren wir bequem mit dem Van und hier liessen wir es uns nicht nehmen, in den Quellen noch ein Bad zu nehmen. Durch den löchrigen Kalkstein (englisch Limestone, weil er von Zitronensaft aufgelöst wird?) drückt Wasser an die Oberfläche und bildet lustige Töpfe, in denen der Sand ‘brodelt’.

Auf dem Rückweg assen wir in einem guten asiatischen Restaurant direkt an einem See zu Nacht und tatsächlich, man kann in den USA auch gut essen, was uns zu zweit bis jetzt noch nicht gelungen war. Allerdings wurde uns hier auch eine amerikanische Eigenart bewusst: Nach dem Essen kommt ungefragt die Rechnung, man bezahlt und verlässt das Restaurant. Gemütliches Beisammensein gibt es nur in einer Bar.

Auch für den nächsten Tag war gesorgt. Am Morgen gab es ein richtiges Frühstück im Haus der Professorin von Martina, da Martina im Moment gerade auf ihre Hunde aufpasst. Wir genossen mit Blick auf den angrenzenden See ein richtiges Birchermüesli, testeten den Unterschied zwischen echter Peanutbutter (aus Erdnüssen, etwas Öl, etwas Salz) und normaler Peanutbutter (aus Zucker, …, … und Erdnüssen) und tranken selbstgepressten Grapefruitsaft.

So gestärkt holten wir die Paddel aus dem Schlangenhaus (im Bootshaus hatte sich zu Martinas Schreck tatsächlich eine Schlange versteckt) und liessen die Kajaks zu Wasser. Nach einer kurzer Überfahrt über den See fuhren wir lautlos durch einen Zypressenwald, durch einen kleinen Kanal und gelangten in einen Teich, wo kein Lärm mehr störte. Eine wunderschöne Märchenlandschaft! Nach einem kräftezehrenden Wettkampf quer über den Teich kamen wir müde wieder beim Haus an. Den Nachmittag verbrachten wir schwatzend, faulenzend und Slackline-übend unter dem schattigen Dach der riesigen, moosbehangenen Zypressen im Garten. Als der Hunger übermächtig wurde, bot sich Cam als Grillmeister an und wir anderen schnippelten und kochten uns unser Abendessen, welches wir im Abendlicht im Garten genossen. Für das Sonnenuntergangsspektakel begaben wir uns dann in die erste Reihe, auf den Bootssteg direkt am Wasser. Ein wunderschöner Abend ging dem Ende entgegen. So mussten wir auch schon Abschied nehmen, wir fuhren zurück zu Martinas Wohnung und konnten noch einmal richtig schlafen, während Martina hier in der Natur noch auf die zwei Hunde aufpassen musste.

Nochmals besten Dank Martina für die spannenden Tage!

Gainesville


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Ocala


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